Prof. Dr. Luca Crescenzi (Pisa): Schneetraum. Von Hans Castorps Ethik und vom Eros im "Zauberberg"

15.05.2014

Moderation: Peter Klingel


Donnerstag, 15. Mai 2014, Beginn: 18.15 Uhr, Goethe-Museum Düsseldorf. Der Eintritt kostet 5,- Euro, ermäßigt für Studierende und Schüler 3,- Euro, nur Abendkasse. Für Mitglieder unserer Gesellschaft ist der Eintritt frei.

Der im Zauberberg enthaltene "Schneetraum" Hans Castorps ist ein Stück hermetischer Kunst, dessen Auslegung den Interpreten vor evidente Schwierigkeiten stellt. Was erzählt der Traum? Wie konsequent passt er in den konzeptionellen Duktus des Romans? Wie sind seine Symbole zu interpretieren?
Die Forschung rekurriert für seine Deutung gerne auf Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung. Doch scheint es möglich, die rätselhafte Symbolik des Traums auch im Licht anderer 'Quellen' zu lesen: zum Beispiel in jenem der Rede Von deutscher Republik und der sich hier findenden merkwürdigen Gleichsetzung von zwei scheinbar so unterschiedlichen Dichtern wie Novalis und Walt Whitman. Darüber hinaus liegt es nahe, die Frage nach dem möglichen psychoanalytischen Hintergrund der Traumsymbolik zu stellen. Sind der "Schneetraum" und alle anderen Träume des Zauberberg wirklich unabhängig von Freuds Traumdeutung entstanden, wie Thomas Mann mehrmals betont hat? Die Antwort darauf rückt den "Schneetraum" in ein neues Licht und lässt ihn als Teil einer konsequent durchdachten Kette erscheinen, welche die Hauptmomente des Romans verbindet.

Luca Crescenzi ist Professor für Deutsche Literatur an der Universität Pisa. Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit sind die deutsche Romantik, Nietzsches Philosophie und die Literatur der klassischen Moderne. Er ist Hauptherausgeber der neuen, kommentierten italienischen Ausgabe von Thomas Manns Romanen und Erzählungen, die seit 2007 beim Verlag Mondadori erscheint. Derzeit arbeitet er an der Übersetzung und Kommentierung des Doktor Faustus