Björn Moll: Man(n) sieht nur mit dem Herzen gut –
Verschobene Geschlechtsorgane in Thomas Manns Prosa

14.04.2011

Moderation: Frank Weiher


Goethe-Museum Düsseldorf

Der wohlbekannte und hundertfach zitierte Satz des Kleinen Prinzen, dass man nur mit dem Herzen gut sehe und das Wesentliche für die Augen unsichtbar sei, soll als catchphrase dienen, um einem Phänomen in Manns Texten auf die Spur zu kommen: den verschobenen Geschlechtsorganen.

Am Beispiel zweier Romane Manns, des Zauberbergs und der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, soll dargelegt werden, wie in der Beschreibung anderer Körperstellen eine camouflierte Darstellung von Geschlechtsorganen stattfindet und welche Rückschlüsse sich aus diesen Befunden ergeben. Diese Verschiebungen sind nämlich nicht einem reinen Anspruch auf Pietät geschuldet, sondern entwickeln eigene Dynamiken, die das Verhältnis der Protagonisten zu ihrer Umwelt definieren. Der Vortrag möchte insofern einen Beitrag zu Erotik und Poetik bei Thomas Mann liefern.

Die Darstellung der Textstrategien wird dabei vor der Folie einer zeitgenössisch entwickelten, wirkmächtigen Theorie der Verschiebung erläutert, nämlich Sigmund Freuds Psychoanalyse. Es soll somit auch danach gefragt werden, inwiefern sich in diesen konkreten Fällen literarische Phänomene und psychoanalytische Modelle überhaupt vergleichen lassen.

Björn Moll (geb. 1982) hat Germanistik, Philosophie und Alte Geschichte in Köln, Rom und St. Louis studiert. Sein Studium beendete er 2008 mit dem Master of Arts an der Washington University St. Louis (Betreuer: Paul Michael Lützeler) mit einer Arbeit über „Experimentieren“ in Thomas Manns Roman Der Zauberberg (mit Fulbright-Stipendium). Zur Zeit promoviert Björn Moll an der Universität zu Köln bei Prof. Dr. Claudia Liebrand. Der Titel seines Promotionsprojektes lautet: "Plagegeister. Figuren und Figurationen der Störung im Zauberberg". Björn Moll ist Stipendiat bei der Studienstiftung des deutschen Volkes und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Günter Blamberger (Köln) sowie Mitarbeiter in der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft.

Audioaufzeichnung des Vortrags:

 

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