Frank Weiher (Düsseldorf): Der verfemte Eros. "Der Tod in Venedig" und die akademische Tradition

06.09.2012

Moderation: Miriam Albracht


-- Jubiläumsjahr "100 Jahre Der Tod in Venedig" --
Donnerstag, 06.09.2012, Beginn: 18.15 Uhr, Goethe-Museum Düsseldorf. Der Eintritt kostet 5,- Euro, ermäßigt für Studierende und Schüler 3,- Euro, die Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Für Mitglieder unserer Gesellschaft ist der Eintritt frei.

Der Begriff der platonischen Liebe ist fester Bestandteil der abendländischen Kultur; er erlaubte es Thomas Mann mit dem Tod in Venedig eine Novelle zu schreiben, in der die homoerotische Neigung Aschenbachs zum Knaben Tadzio augenscheinlich als Vehikel zur platonischen Ideenlehre dient.

Von der These ausgehend, dass Thomas Mann bewusst mit der bürgerlich tradierten Auffassung des platonischen Eros spielt und hierdurch seine Leser hinters Licht führt, wird Frank Weiher der Frage nachgehen, inwieweit sich hinter der vermeintlichen Heimsuchung des Schriftstellers, seinem Scheitern und Tod, in Wahrheit eine Befreiung Aschenbachs aus der ökonomischen Zweckrationalität des Bürgertums verbirgt. Während dieses sich beim Tod des Helden lediglich „respektvoll erschüttert“ zeigen kann, begreift der Dichter die Ausschweifung, so die These, als Durchbruch zu jener Lebensbejahung, die Manns Novelle von Seiten der Forschung, meist im Rekurs auf ein regressives Wagner-Bild, abgesprochen wird.

Frank Weiher studierte Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Magisterarbeit schrieb er über "Die Bedeutung Richard Wagners für Thomas Manns Zauberberg". Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Thomas Mann-Gesellschaft Düsseldorf und Mitherausgeber der Düsseldorfer Beiträge zur Thomas Mann-Forschung.

Im Sommersemester 2012 gibt er am Institut für Kultur- und Medienwissenschaft an der HHU zusammen mit Kathrin Dreckmann ein Seminar über die intermedialen Bezüge zwischen Musik, Literatur und bildender Kunst.

Veröffentlichungen: Der Roman als Kosmos bei Thomas Mann, James Joyce und Marcel Proust. In: Tim Lörke u. Christian Müller (Hrsg.): Thomas Manns kulturelle Zeitgenossenschaft. Würzburg 2009.

Geplatzte Finanzträume und liquide Individualität. Felix Krulls Verhältnis zu Geld, Luxus und Mondänität im Hinblick auf die derzeitige Finanzkrise. In: Literaturkritik.de, hrsg. v. Thomas Anz. 2009.

Poetischer Funke und gekrümmte Existenz. Zu den Bekenntnissen des Hochstapler Felix Krull. In: Miriam Albracht u. a. (Hrsg.): Düsseldorfer Beiträge zur Thomas Mann-Forschung. Band 1, Düsseldorf 2011.

Audioaufzeichnung des Vortrags: 

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