Prof. Dr. Hans-Georg Pott: Zauberer / Entzauberer: Thomas Mann und Robert Musil - Politik und Kultur im 20. Jahrhundert

05.05.2011

Moderation: Miriam Albracht


Goethe-Museum Düsseldorf

Die Welt ist, wie sie ist, und wie sie nicht sein soll. Wirklichkeitssinn und Möglichkeitssinn, Entzauberung und Verzauberung der Welt, durchdringen sich in großer Dichtung. Sie hilft uns zu verstehen, wenn auch nur fragmentarisch und nie ganz, zum Beispiel, wieso es zu den schrecklichen Barbareien der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Europa kommen konnte, wieso „gute Menschen eine böse Gemeinschaft bilden können“ (Musil). Entdeckt der entzaubernde Blick die große Sinnleere alles Geschehens, so der verzaubernde den Sinn, weil er aus dem Verlangen nach Sinn hervorgeht. Robert Musil und Thomas Mann, der Österreicher und der Preuße, als die beiden bedeutendsten, fast gleichaltrigen deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts helfen uns zu verstehen, weil jeder auf seine Weise durch seine „sensitive Angeschlossenheit an Zeit und Zukunft, Sehertum also“ (T. Mann), zugleich Analytiker, Deuter und Visionär, „zur geistigen Bewältigung der Welt“ (Musil) beiträgt.

Hans-Georg Pott wurde 1946 in Oerlinghausen/Lippe geboren. Nach dem Abitur in Bielefeld studierte er an den Universitäten Berlin (FU), Mainz und Düsseldorf Germanistik und Philosophie. Es folgte 1974 die Promotion an der Universität Düsseldorf und 1979 die Habilitation mit einer Arbeit zu Schillers Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen. 1983 wurde er auf eine Universitätsprofessur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf berufen. Von 1983 bis 1989 war er zudem Leiter des Eichendorff-Instituts an der Universität Düsseldorf. Seit dem 1.4. 2011 ist Hans-Georg Pott im Ruhestand.

Buchveröffentlichungen (Auswahl): Die schöne Freiheit (München 1980); Robert Musil (München 1984); Neue Theorie des Romans. Sterne – Jean Paul – Joyce – Schmidt (München 1990); Literarische Bildung. Zur Geschichte der Individualität (München 1995); Die Wiederkehr der Stimme (Wien 1995); Schiller und Hölderlin. Studien zur Poetik und Ästhetik. (Frankfurt/Main u.a. 2002); Kurze Geschichte der europäischen Kultur (Paderborn 2005), Eigensinn des Alters (München 2008), (Mithrsg.) Terror und Erlösung (München 2010).

Videoaufzeichnung des Vortrags