Prof. Dr. Johannes Roskothen: "Der Stehkragen sprach". Die unproduktive Spannung zwischen Thomas Mann und Bertolt Brecht - eine Rekonstruktion

10.11.2011

Moderation: Sebastian Hansen


Vortrag und Präsentation der Lithographie "Thomas Mann und Bertolt Brecht" von Bernhard Heisig im Vortragsraum der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Mit einer Einführung von Dr. Ute Olliges-Wieczorek. 
Beginn ist 18.15 Uhr. Der Eintritt kostet 5,- Euro, ermäßigt für Studierende 3,- Euro, die Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Für Mitglieder unserer Gesellschaft ist der Eintritt frei.

Thomas Mann und Bertolt Brecht: Konkurrenten, Rivalen, Antipoden? Lang ist die Liste der Unterschiede in Leben, Werk und Wirkung beider Autoren. Vorrangiges Ziel des Vortrags ist es jedoch nicht, die beiden Charaktere zu beschreiben, mit dem Ergebnis, dass Thomas Mann und Brecht auf (fast) keinen gemeinsamen Nenner zu bringen sind. Stattdessen: Hier Stehkragen, dort forciert proletarischer Gestus. 

Bernhard Heisigs vor dem Vortrag präsentierte Lithographie erscheint vor diesem Hintergrund als hochgradig gelungener Versuch, eine unproduktive Spannung zu illustrieren.

Psychologisierende Charakter-Deutungen liegen hier nahe. Aber sie geraten leicht zu eher trivialem Durchhecheln von Anekdoten: Hat der Brecht nicht mal über Thomas Mann gesagt…? Ertragreicher ist die Nachzeichnung der über ca. drei Jahrzehnte währenden Interaktion beider: Brecht und Thomas Mann sind, bei aller Abneigung, in erstaunlicher Intensität aufeinander bezogen. Im Exil wird es zu einer Kooperation im Zeichen des Antifaschismus kommen. An den wechselseitigen Ressentiments ändert dies nichts.

Um der fortdauernden Antipathie auf den Grund zu gehen, ist nach den Motivationen des Schreibens, dem Selbstbild als Künstler und Staatsbürger, und nach diametral konträren ästhetischen Konzepten zu fragen. 

Prof. Dr. Johannes Roskothen, geb. 1959 in Düsseldorf, ist Außerplanmäßiger Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er habilitierte sich mit einer Untersuchung zur literarischen Rezeption und Bewertung von Verkehrsphänomenen (Verkehr. Beiträge zu einer Poetik der Moderne. München 2003). Schwerpunkte in Forschung und Lehre: Thomas Mann, Franz Kafka, Poetik des Romans, literarische Urbanologie. Arbeit in der Erwachsenenbildung, 2009 Gründung des Schreibbüros PRO TEXURA.   

Videoaufzeichnung des Vortrags