4. Studierenden- und Doktorandenforum

Am 14. und 15.11.2014 fand unser viertes Studierenden- und Doktorandenforum in Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Heinrich-Heine-Universität im Haus der Universität statt. Thema des diesjährigen Forums: Familie im Werk Thomas Manns

Tagungsbericht

"Sein Vater war nicht sein Vater, und seine Mutter war seine Mutter nicht, – so unordentlich war seine Geburt." Mit diesen Worten beginnt das zweite Kapitel der späten Novelle Das Gesetz (1943) und gibt damit einen Einblick in den Grundkonflikt der Psyche des Protagonisten Moses, dessen prekäre Familienverhältnisse den Ausgangspunkt seiner Berufung bilden. 

An den familiären Strukturen der biblischen Gestalt wird eine narratologische, bisher kaum beachtete Konstante im Werk Thomas Manns deutlich: Die Familie fungiert als Handlungsinitiator für den Lebensweg der Helden und prägt deren Geschicke entscheidend. So ist der Werdegang nahezu jedes Protagonisten von einer auffälligen Familienkonstellation geprägt: Die 'mutterlosen' Söhne Hans Castorp und Joseph, die sich fernab der Familie bewähren müssen, die Geschwisterpaare in Wälsungenblut und Der Erwählte, die sich einer inzestuösen und narzisstischen Verbindung hingeben, oder Thomas, Christian und Hanno Buddenbrook, die immer weniger den Ansprüchen des Familienethos als Kaufmannsfamilie entsprechen können. Thomas Mann unterläuft somit erzählerisch einen zentralen Wert des Bürgertums, indem er Familie nicht als Rückzugs- und Identifikationsort zeigt, sondern als Ort der Konflikte und der Entfremdung vom Ich, so dass die erkenntnisorientierte Selbsterkundung der Protagonisten immer einer Befreiung aus familiären Banden gleichzukommen scheint. 

Das vierte Studierenden- und Doktorandenforum der Thomas Mann-Gesellschaft Düsseldorf und des Instituts für Germanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf widmete sich 2014 den vielfältigen Familienkonstellationen im Werk Thomas Manns.

PROGRAMM (bitte klicken Sie auf die Namen der ReferetInnen, um die Exposés zur Tagung zu öffnen!):

Freitag, 14.11.2014 (Haus der Universität, Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf) 

14.00 Uhr   Eröffnung/Begrüßung: Miriam Albracht

Grußwort: Univ.-Prof. Dr. Ulrich Rosar (Prodekan der Philosophischen Fakultät, HHU)

Grußwort: Univ.-Prof. Dr. Volker C. Dörr (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, HHU)

Thematische Einführung: Frank Weiher 

14.30 Uhr   

Philipp Ritzen (Düsseldorf): Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er aus

freiem Willen stirbt. Hanno Buddenbrooks Tod als Suizid und dessen Auswirkungen

auf die Familie

 

 

14.50 Uhr

Julia Spahr (Bern): Essensszenen als Spiegelung familiärer Strukturen in

Thomas Manns Buddenbrooks

 

 

15.10 Uhr   Diskussionsrunde (Moderation: Frank Weiher) 

15.30 Uhr   Kaffeepause 

16.00 Uhr
Laura Marie Reiling (Münster): "Hier gab es nichts, als vernachlässigte Altersschwäche" - Häuser als Spiegel der Familienkonstellationen in den Buddenbrooks

16.20 Uhr
Miriam Zeh (Köln): Töchter aus guten Familien. Tony Buddenbrook und Agathe Heidling

16.40 Uhr   Diskussionsrunde (Moderation: Miriam Albracht)

17.00 Uhr   Kaffeepause

17.20 Uhr
Matthias Ott (Kassel): Zwischen bürgerlicher Fassade und albtraumhafter Dekonstruktion. Ehe und Familie in Thomas Manns Luischen, Anekdote und Buddenbrooks

17.40 Uhr
Natalia Brodniewicz (Dortmund): Von Müttern und anderen weiblichen Prototypen - Frauenfiguren im Werk Thomas Manns

18.00 Uhr   Diskussionsrunde (Moderation: Heike Spies)

19.30 Uhr   gemeinsames Abendessen

Samstag, 15.11.2014 (Haus der Universität) 

10.00 Uhr   Eröffnung: Sebastian Hansen

10.10 Uhr
Heng Barone (Aachen): Das Leben als Ästhet - Familie, Glück und Künstlertum in Thomas Manns Der Bajazzo

10.30 Uhr
Peter Klingel (Düsseldorf): "Der Spitzbart war wirklich nicht länger zu halten". Generationenkonflikt und (nicht nur sexuelle) Identität in Unordnung und frühes Leid

10.50 Uhr   Diskussionsrunde (Moderation: Sebastian Hansen)

11.10 Uhr   Kaffeepause

11.30 Uhr
Tamara Fröhler (München): Hans Castorp und die Sehnsucht nach der 'Heiligen Familie'. Der Zauberberg als Familiennarrativ

11.50 Uhr
Volker Sliepen (Düsseldorf): Fluch oder Segen? Die familiäre Katastrophe als Voraussetzung für Erwählung

12.10 Uhr
Kim Junold (Düsseldorf): Der Werdegang eines Inzestkindes - vom Außenseiter zum Papst. Der Roman Der Erwählte im humanistischen Kontext

12.30 Uhr   Diskussionsrunde (Moderation: Melanie Keutken / Miriam Albracht)

13.00 Uhr   gemeinsames Mittagessen

Die TMGD zu Gast im Haus der Universität
Diskussionsrunde und Plenum im HdU
Diskussionsrunde: M. Albracht, F. Weiher, Tamara Fröhler, Kim Junold, Volker Sliepen (v.l.n.r.)