7. Studierenden- und Doktorandenforum

23.03.2018

Narzissmus im Werk Thomas Manns


Am 23. und 24. März 2018 findet unser siebtes Studierenden- und Doktorandenforum in Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Heinrich-Heine-Universität im Haus der Universität statt. Thema des Forums: Narzissmus im Werk Thomas Manns

Call for Papers:

" – und in dieser Sekunde geschah es, daß Tadzio lächelte: ihn anlächelte […]. Es war das Lächeln des Narziß, der sich über das spiegelnde Wasser neigt, jenes tiefe, bezauberte, hingezogene Lächeln, mit dem er nach dem Widerscheine der eigenen Schönheit die Arme streckt, – ein ganz wenig verzerrtes Lächeln, verzerrt von der Aussichtslosigkeit seines Trachtens, die holden Lippen seines Schattens zu küssen, kokett, neugierig und leise gequält, betört und betörend." (Der Tod in Venedig)

Tadzio, das Objekt der homoerotischen Begierde Aschenbachs, wird explizit mit der mythischen Figur des Narziss gleichgesetzt. Seine selbstreflexive Begierde befeuert Aschenbachs Verlangen und bewegt in dieser Szene den alternden Schriftsteller zum erotischen Bekenntnis schlechthin: „Ich liebe dich!“

Als Sigmund Freud 1914 den Narzissmus in seine Lehre einführt, elaboriert er hierdurch eine Instanz, die an der Schwelle von Autoerotik und Objektlibido zu verorten ist, und die ihrerseits pathologische Züge tragen, aber auch Qualitäten der für den Kunsttrieb so zentralen Sublimierung aufweisen kann. Auch im Werk Thomas Manns markiert der Narzissmus auffälligerweise nicht ausschließlich pathologische Selbstliebe, denn auch die minutiöse Selbstbeobachtung, die viele Figuren ebenso wie ihren Erfinder auszeichnet, gehört in dieses Themenfeld.

Narziss steht hierbei – wie seinerseits Freuds Ödipus – im Kontext der gerade für Thomas Mann werkgenetisch so fruchtbaren Verbindung von Mythos und Psychologie, die sein Schaffen ab Tod in Venedig (1911) nachhaltig prägt.

Dem facettenreichen Thema Narzissmus, inklusive seiner mythologischen und psychologischen Implikationen, will sich das diesjährige Studierenden- und Doktorandenforum widmen.

Mögliche Fragestellungen sind hierbei:

- In welchem Bezug steht der Narzissmus der Mann’schen Figuren zu den psychologischen und psychoanalytischen Diskursen seiner Zeit?

- Welche Bedeutung kommt dem Narzissmus innerhalb des Werkgefüges zu?

- Wird der Narzissmus der frühen Helden Manns im Spätwerk modifiziert oder gar überwunden?

- In welchem Verhältnis stehen Ich- und Objektlibido im Werk Thomas Manns zueinander?

Interessierte Studierende der Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Promotionsstudierende werden gebeten, das Thema ihres Vortrags (ca. 20 Minuten) in einem Exposé (ca. 2000 Zeichen) kurz vorzustellen und an

infothomasmann-duesseldorfde

zu schicken. Einsendeschluss ist der 15.02.2018. Die Aufsätze werden im Anschluss an die Tagung in der Schriftenreihe „Düsseldorfer Beiträge zur Thomas Mann-Forschung“ nach Peer-Review-Verfahren veröffentlicht. Zur Klärung möglicher Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Der Vorstand der Thomas Mann-Gesellschaft Düsseldorf e. V.