Dr. Jens Ewen (Jena): Das Märchen von allgemeiner Menschenliebe – über die Begründung sozialer Normen in 'Königliche Hoheit'

07.06.2016

Vortrag im Haus der Universität


Dienstag, 7. Juni, 19:30, Haus der Universität (Schadowplatz 14). Der Eintritt kostet 7,- Euro, ermäßigt für Studierende und Schüler 5,- Euro, nur Abendkasse. Für Mitglieder unserer Gesellschaft ist der Eintritt frei.

Thomas Manns zweiter Roman Königliche Hoheit hatte keinen leichten Start und führt noch immer ein Dasein im Schatten der 'großen' und populäreren Romane seines Autors. Das mag daran liegen, dass der Text zwar wichtige Themenkomplexe aus Manns Frühwerk aufgreift, wie etwa die Künstler-Problematik, zu diesen Themen allerdings Positionen entwickelt, die von den bekannten Schemata abweichen. Großherzog Klaus Heinrich, dessen fürstliche Auserwähltheit die Einsamkeit des modernen Künstlers versinnbildlicht, bleibt nicht allein, sondern wird auf beinahe märchenhafte Weise in das praktische Leben integriert. 
In meinem Vortrag möchte ich allerdings danach fragen, welche Lösungen für politische Probleme präsentiert und welche Erzählstrategien dafür im Roman verwendet werden. Im Fokus steht dabei das Humanitätskonzept, das hinter dem im Text inszenierten Gemeinwesen erkennbar wird: Durch das Zusammenspiel von arbeitsteilig-kapitalistischer Wirtschaftsordnung und freiheitlich-pluralistischem Gesellschaftssystem einerseits und monarchistisch-unnahbaren, 'romantisierenden' Repräsentanten des Staates andererseits weist der Roman schon auf die Modelle voraus, die im Zauberberg und in Joseph und seine Brüder präsentiert werden.

Dr. Jens Ewen. Geboren 1980 im Saarland. Studium der Germanistik und Geschichte in Saarbrücken, Magisterexamen 2006. 2007-2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrkraft für besondere Aufgabe (Vertretung) an der Universität des Saarlandes, seit 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Promotion 2011 zu Thomas Manns Ironie. Langjähriger Sprecher der jungen Thomas Mann-Forscher.