Dr. Florian Trabert (Düsseldorf): "Leverkühns Werk ins Werk setzen": Zu Realisierungen der fiktiven Kompositionen in Thomas Manns 'Doktor Faustus' durch Alfred Schnittke, Konrad Boehmer und Hans Werner Henze

31.03.2016

Vortrag im Haus der Universität


Donnerstag, 31. März, 19:30, Haus der Universität (Schadowplatz 14). 
Der Eintritt kostet 7,- Euro, ermäßigt für Studierende und Schüler 5,- Euro, nur Abendkasse. Für Mitglieder unserer Gesellschaft ist der Eintritt frei. Moderation: Frank Weiher

 »Leverkühns Werk ins Werk setzen«. Zur Realisierungen der fiktiven Kompositionen in Thomas Manns Doktor Faustus durch Alfred Schnittke, Konrad Boehmer und Hans Werner Henze

 

Thomas Manns Doktor Faustus ist nicht zuletzt für seine Musikbeschreibungen berühmt. Manns sprachlicher Virtuosität gelingt es nicht nur, reale Werke der Musikgeschichte wie Beethovens letzte Klaviersonate Opus 111 nachzubilden, sondern auch die Kompositionen des Protagonisten Adrian Leverkühn auf eine Weise anschaulich werden zu lassen, die deren Fiktionalität fast vergessen lässt. Wie würde sich die Musik Leverkühns tatsächlich anhören? Diese von vielen Lesern gestellte Frage bleibt natürlich unbeantwortbar, aber es gehört zur komplexen Rezeptionsgeschichte des Romans, dass Komponisten immer wieder versucht haben, die Musik Leverkühns zum Klingen zu bringen oder sich von dieser zu weiterführenden Deutungen anregen zu lassen. Die unterschiedlichen ästhetischen Strategien, die bei diesem höchst ungewöhnlichen Verhältnis zwischen Text und Musik ins Spiel kommen, werden in dem Vortrag anhand von Alfred Schnittkes Faust-Kantate Seid nüchtern und wachet, Konrad Boehmers Apocalipsis cum figuris und Hans Werner Henzes 3. Violinkonzert diskutiert.

Florian Trabert. Studium der Germanistik und Romanistik in Würzburg und Freiburg i.Br., 2005-2015 wissenschaftlicher Angestellter und seit 2015 Akademischer Rat am Lehrstuhl von Frau Professor Herwig (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Düsseldorf); 2010 Promotion über die Neue Musik des 20. Jahrhunderts in der deutschsprachigen Literatur von Thomas Manns Doktor Faustus bis zur Gegenwart; Habilitationsprojekt über Fortschrittsaffirmation und -kritik in der Literatur des 19. Jahrhunderts (Heinrich Heine und Gottfried Keller)

Forschungsschwerpunkte: Intermedialität, Geschichtsphilosophie und Literatur, Österreichische und Schweizer Literatur, Transfers zwischen der deutschsprachigen, französischen und italienischen Literatur

Publikationen (Auswahl): Gottfried Keller, Marburg 2015; Graphisches Erzählen. Neue Perspektiven auf Literaturcomics, Bielefeld 2015 [zusammen mit Mara Stuhlfauth-Trabert und Johannes Waßmer]; Heinrich Heine: Elementargeister, Stuttgart 2013 [Edition]; Der Grenzgänger Hermann Hesse. Neue Perspektiven der Forschung, Freiburg i.Br. 2013 [zusammen mit Henriette Herwig]; »Kein Lied an die Freude«. Die Neue Musik des 20. Jahrhunderts in der deutschsprachigen Erzählliteratur von Thomas Manns Doktor Faustus bis zur Gegenwart, Würzburg 2011.